Jedes Mal, wenn ich auf Madeira wandern gehe, sehe ich Menschen, die völlig unvorbereitet auf den Wegen unterwegs sind. Sie tragen ungeeignete Schuhe, starten viel zu spät, wissen nicht genau, wohin sie eigentlich gehen, oder haben keine Vorstellung davon, wie lange die Wanderung tatsächlich dauert.
Ehrlich gesagt überrascht mich das gar nicht. Für viele ist Madeira die erste richtige Wanderdestination. Auf Social Media sehen die spektakulären Wasserfälle, Bergkämme und Aussichtspunkte oft wie ein kurzer Spaziergang aus. Man sieht das Ziel, aber nicht den langen Anstieg, die rutschigen Wege oder die Planung, die dahintersteckt.
Bei einer einfachen Wanderung wie der etwa drei Kilometer langen Levada dos Balcões kommst du vielleicht auch mit etwas weniger Vorbereitung ans Ziel. Trotzdem solltest du nie vergessen, dass du dich in der Natur befindest. Selbst auf einfachen Wanderungen können sich die Bedingungen schnell ändern, Wege können rutschig werden und der Handyempfang kann plötzlich verschwinden. Und so habe ich über die Jahre gelernt, dass sich ein paar extra Minuten Vorbereitung immer lohnen. Das sind die Dinge, die ich vor jeder Wanderung auf Madeira überprüfe.
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1. Route offline herunterladen
Bevor ich losgehe, lade ich die Route immer offline herunter. In den Bergen, Tälern, Tunneln und abgelegenen Gebieten Madeiras ist der Handyempfang oft unzuverlässig. Deshalb solltest du dich nie darauf verlassen, während der Wanderung jederzeit Internet zu haben.
Ich nutze am liebsten Komoot. Dort kann ich die Strecke planen, das Höhenprofil ansehen und die Karten kostenlos offline speichern. Besonders praktisch finde ich, dass sich die Gehzeit an das eigene Wandertempo anpassen lässt. Weitere gute Alternativen sind AllTrails und WalkMe. WalkMe konzentriert sich speziell auf Madeira und eignet sich hervorragend für die offiziellen Wanderwege der Insel.
Egal für welche App du dich entscheidest, lade die Route vor dem Verlassen deiner Unterkunft herunter und stelle sicher, dass dein Handy genügend Akku für die gesamte Wanderung hat.

2. Den aktuellen Zustand des Weges überprüfen
Sobald ich mich für eine Wanderung entschieden und die Route heruntergeladen habe, prüfe ich den aktuellen Zustand des Weges. Für offizielle PR Wanderwege schaue ich zuerst auf der Website des IFCN nach. Dort wird angezeigt, welche Wanderwege geöffnet, eingeschränkt oder gesperrt sind.
Trotzdem bedeutet ein offiziell geöffneter Weg nicht automatisch, dass er sich in einem perfekten Zustand befindet. Deshalb schaue ich zusätzlich immer bei den neuesten Bewertungen auf AllTrails und Google vorbei. Dort bekommt man oft einen guten Eindruck davon, was andere Wanderer in den letzten Tagen tatsächlich erlebt haben.
Besonders achte ich auf:
Umgestürtze Bäume oder Erdrutsche
Überflutungen und matschige oder rutschige Wege
Tunnelverhältniss (PR17 ist ein perfektes Beispiel wo die Tunnel vor allem im Winter gerne überfluten)
Parken und Zufahrtsprobleme
Vor allem nach Regen sind aktuelle Bewertungen extrem wertvoll.
3. Sorgfältig die Wettervorhersage prüfen
Einer der häufigsten Fehler ist es, einfach den Wetterbericht für Funchal anzusehen und davon auszugehen, dass überall auf der Insel dieselben Bedingungen herrschen. Madeira hat unzählige Mikroklimata. Während an der Küste die Sonne scheint, können die Berge komplett in Wolken liegen oder von Regen und starkem Wind betroffen sein.
Ich nutze meistens die Vorhersagen des portugiesischen Wetterdienstes IPMA. Dort werden auch aktuelle Wetterwarnungen angezeigt. Zusätzlich schaue ich häufig auf die Webcams von NetMadeira. So sehe ich direkt, ob die Berge gerade frei, neblig oder komplett in den Wolken verschwunden sind.
Außerdem prüfe ich nicht nur den Wetterbericht für den Wandertag, sondern auch das Wetter der letzten Tage. Selbst wenn heute die Sonne scheint, können mehrere Regentage davor dafür sorgen, dass Wege noch schlammig, rutschig oder beschädigt sind.
Achte außerdem nicht nur auf Regen. Besonders auf Berggraten oder an der Küste kann starker Wind die Wanderung deutlich schwieriger machen. Die PR8 Ponta de São Lourenço ist dafür ein gutes Beispiel. Dort können kräftige Böen das Gleichgewicht durchaus kurz ins Wanken bringen.
Im Sommer solltest du außerdem die Hitze nicht unterschätzen. Viele Wanderwege bieten kaum Schatten. Starte möglichst früh, nimm ausreichend Wasser mit und denke gegebenenfalls auch an Elektrolyte.



4. Berechne deine späteste Startzeit
Das ist einer der wichtigsten Punkte bei der Planung einer Wanderung und gleichzeitig einer, den viele völlig unterschätzen. Ich habe schon öfter Wanderer getroffen, die am Nachmittag noch bergauf unterwegs waren, während ich bereits auf dem Rückweg war. Manche haben mich sogar gefragt, wie weit es noch bis zum Ziel sei, obwohl sie noch längst nicht einmal die Hälfte geschafft hatten.
Und ja, ich lag bei meiner Zeitplanung in der Vergangenheit auch schon komplett daneben. Mittlerweile habe ich aus meinen Fehlern gelernt.
Bevor du losgehst, solltest du die gesamte Strecke, die Höhenmeter und eine realistische Gehzeit kennen. Denn zehn Kilometer auf einer flachen Levada sind etwas völlig anderes als zehn Kilometer mit einem langen, steilen Anstieg. Wenn du noch wenig Wandererfahrung hast, plane bei anspruchsvolleren Touren lieber etwas mehr Zeit ein.
Komoot bietet zum Beispiel die Möglichkeit, die Gehzeit an das eigene Tempo anzupassen. Sei dabei ehrlich zu dir selbst und wähle nicht automatisch die schnellste Einstellung, nur weil du an diesem Tag noch möglichst viel unternehmen möchtest.
Sobald du eine realistische Gehzeit hast, prüfst du den Sonnenuntergang und planst zusätzlich einen großzügigen Zeitpuffer ein. Anschließend rechnest du rückwärts und bestimmst deine späteste Startzeit.

Vergiss dabei auch die gesamte Organisation rund um die Wanderung nicht:
Wie lange dauert die Anfahrt?
Wo kann man parken?
Wie herausfordernd sind die Straßen, gibt es viel Verkehr, etc.
Viele Madeira Reisepläne sind einfach zu voll. Sobald sich der Tag etwas verzögert, wird die Wanderung schnell auf den Nachmittag verschoben, manchmal auch in der Hoffnung, dass dann weniger Menschen unterwegs sind. Für eine kurze und einfache Wanderung kann das funktionieren. Du solltest aber niemals so spät starten, dass du Gefahr läufst, nach Einbruch der Dunkelheit noch auf dem Berg zu sein.
Meine eigenen Tage laufen übrigens auch nicht immer nach Plan und ich lasse mich ständig ablenken. Genau deshalb habe ich mir selbst eine feste späteste Ankunftszeit am Wanderparkplatz gesetzt. Wenn ich bis dahin nicht dort bin, starte ich die Wanderung nicht mehr. Das Risiko ist es einfach nicht wert.
5. Teile deine Route und deinen Standort
Bevor du losgehst, solltest du immer jemandem sagen, wohin du gehst und wie lange du ungefähr unterwegs sein wirst.
Ich habe meine Standortfreigabe über Apple eigentlich immer aktiviert. Dafür liebe ich Apple tatsächlich. Jorge weiß außerdem genau, welche Route ich an diesem Tag wandere.
Ich gebe ihm Bescheid, wenn ich starte und wenn ich wieder zurück bin. Zwischendurch bekommt er manchmal auch Updates, wobei das meistens einfach nur süße Fotos von den Hunden sind.



Auch wenn du unterwegs nicht die ganze Zeit Empfang hast, ist es hilfreich, wenn jemand weiß, wo du ungefähr bist und wann du voraussichtlich zurückkommst. Das gilt besonders, wenn du alleine unterwegs bist. Aber auch zu zweit ist das eine gute Angewohnheit.
Nur weil man mit einer zweiten Person unterwegs ist, heißt das noch lange nicht, dass man automatisch gut vorbereitet ist. Vor allem dann nicht, wenn keiner von euch die Strecke oder die Gegend kennt. Teile deshalb die geplante Route, den Startpunkt und deine ungefähre Rückkehrzeit mit jemandem, der nicht mitkommt.
6. Die richtige Ausrüstung mitnehmen
Welche Ausrüstung du brauchst, hängt natürlich von der Wanderung, dem Wetter und der Jahreszeit ab. Es gibt aber ein paar Dinge, die ich fast immer dabeihabe. Mein Standardrucksack ist der Osprey Daylite. Er ist zwar relativ klein, bietet aber genug Platz für alles, was ich auf einer Tageswanderung brauche. Dazu gehören normalerweise:
Ausreichend Wasser
Snacks
Regenjacke
Sonnenschutz
Kleines Erste-Hilfe-Set
Zusätzliche Kleidung wenn nötig
Genauso wichtig sind die richtigen Schuhe. Du brauchst nicht auf jeder Wanderung schwere Wanderschuhe, aber deine Schuhe sollten guten Grip haben und zum Gelände passen. Gerade in den feuchteren Monaten sind wasserdichte Schuhe oft Gold wert.

Madeira bietet einige der schönsten Wanderungen Europas, von entspannten Levadawegen bis zu anspruchsvollen Bergtouren. Die spektakulären Ausblicke lassen jedoch leicht vergessen, dass man sich immer noch mitten in der Natur befindet.
Eine gute Vorbereitung muss gar nicht kompliziert sein.
Lade deine Route herunter, überprüfe den Zustand des Wanderwegs, informiere dich über das Wetter, plane deine Startzeit sorgfältig, teile deine Route mit jemandem und packe die passende Ausrüstung ein. Selbst wenn eine Wanderung einfach aussieht, lohnt sich eine gute Vorbereitung immer.
Wenn du mehrere Wanderungen auf Madeira planst, findest du in meinem Ultimate Madeira Reiseführer ausführliche Wanderempfehlungen, praktische Planungstipps und Google Maps Links, damit du die Insel entspannt und sicher entdecken kannst.
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